«Die Hängung und Präsentation […] zeigt […] ein Höchstmaß an gestalteter Korrespondenz und Harmonie. Immer wieder lassen sich Qualitäten von Malerei in Relation setzen. Die Synthese der Arbeiten […] ist […] stimmig.» Dies schreibt Frau Dr. G. Uelsberg in der Einführung des Ausstellungskataloges – und irgendwo hat die Dame recht: Wenn man viele eintönige Bilder zu einer Ausstellung zusammenfasst, hat man sicherlich eine Synthese, eine Korrespondenz, eine Relation der Bilder zueinander. Weil sie alle gleich schlecht, gleich nicht- aussagekräftig sind.
So bedurfte es keines zweiten oder dritten Blickes, um mich als Besucher der Ausstellung «Non-figurative Malerei» selbst in meinen geringsten Erwartungen enttäuscht zu sehen: 51 Leinwände und Holz- und Aluminiumplatten prangten voll entleerter Aussage einer ebenso leeren Ausstellungshalle entgegen, welche, seit 1982 Ausstellungsort, wohl noch das beste an diesem Besuch in Oberhausen war. Inhaltlich triste Bilder, deren Aussage einzig und allein die jeweils verwendete Farbe sein dürfte, reihten sich gelangweilt aneinander – eine stummere Vernissage hätte ich mir in meinen Albträumen nicht ausgemalt.
«Würde Farbe nicht als eigenständiges Medium ernst genommen, sondern lediglich zur Kolorierung eines beliebigen Bildgegenstandes verwendet, bliebe es bei einem bloßen Sich-Bedienen der Farbe», so Dr. W. Darlath weiterhin in dem Vorwort des Kataloges. Mit solch einer Aussage lässt sich natürlich selbst einer rein roten, rein blauen oder einer, in einer x-beliebigen Farbe kolorierten Leinwand noch ein gewisser Reiz entlocken. Das ist weder neu, innovativ, noch künstlerisch wertvoll. Es ist ein Verrat an jener Kunst, die sich durch das erwähnte «Sich-Bedienen» (eine Groteske in sich) eben des Mediums bemächtigt, welches ein Bild schließlich ausmacht. Sonst könnte man ja auch einfach nur die Leinwand hinhängen. Das würde Geld sparen und Zeit. Geld, das vielleicht anderen Künstlern zugute käme. Und Zeit, sich nach einer Arbeit umzusehen, die der Kunst so fern ist wie auch schon die Bilder es sind. Ich jedenfalls wage die – auf der Hand liegende – Prognose, dass man, wenn man Künstler kennt, die mit der Zeit gehen, oder dieser im besten Falle gar voraus sind, wenig begeistert sein wird von diesen «Werken» jener Künstler, die – aus Unvermögen, Desinteresse, Rebellion oder vierten Faktoren – solcherart unterstützt, gefördert und ausgehängt werden, obwohl ihr Schaffen seit der Zeit der Höhlenmalereien überholt sein dürfte.
Um schließlich doch noch etwas annähernd Positives über die Bilder sagen zu können: József Bullás folgt mit seinen Bildern der Op-Art. Perspektivische Verwirrspiele für die Augen, je nachdem, aus welcher Entfernung man die Bilder betrachtet. Auch nicht wirklich neu, aber immerhin ausgeklügelt gelöst, auch wenn ich mich frage, warum die Ausstellung nur «Acryl» als Material angibt, war doch deutlich eine Spraycan auszumachen.
In diesem Verlauf braucht man sich über grammatikalische Fehler und massenhaft falsch gesetzte Kommata im Begleitband fast nicht zu wundern, ein Umstand, der, fairerweise zugegeben, auch einem Zeitmangel geschuldet sein kann. Alles in allem wirkt die Auswahl der ausgestellten Bilder jedoch zu willkürlich und erzwungen. Wenigstens hätte man zumindest Sorge tragen können, die Namen wirklicher Berühmtheiten wie Kassák und Vasarely korrekt abzudrucken. Wenn DAS die Zukunft der bildenden Kunst sein soll, die in Museen und Ausstellungsräumen erwünscht ist, mache ich mir erhebliche Sorgen.